Wir alle kennen sie: Schubladen.
In unseren Kommoden. In unseren Köpfen.
In Gesprächen, in Begegnungen – manchmal schon im ersten Blick.
Laut Duden ist eine Schublade übrigens eine:
Kategorie (in die etwas [leichtfertig, ungerechtfertigterweise] eingeordnet wird)
Wir sortieren Klamotten in die entsprechende Schublade. Wir ordnen Menschen in die vermeintlich „richtige“ Schublade ein.
Vielleicht tun wir das, um Halt zu finden.
Weil die Welt so riesig, komplex und manchmal beängstigend ist.
Und Menschen?
Menschen sind schwer zu fassen.
Eine Schublade gibt Struktur.
Sie lässt uns glauben, wir wüssten, woran wir sind.
Sie macht die Welt überschaubarer – vielleicht sogar sicherer.
Aber sie nimmt etwas:
Freiheit.
Tiefe.
Möglichkeit.
Denn kein Mensch ist nur eins.
Niemand ist nur „laut“, nur „leise“, nur „nett“, nur „komisch“, nur „Mama“, nur „Bäckerin“, nur „dumm“, nur „intelligent“, nur „Bänker“ oder nur „ein stets abwesender Vater“.
Wir alle sind voller Widersprüche, Facetten, Erfahrungen.
Und gerade darin liegt doch die Schönheit.
Ich merke selbst, wie schnell es geht.
Wie oft ich mir ein Bild mache – bevor ich den ganzen Menschen sehe.
Vielleicht ist es menschlich, zu sortieren.
Unser Denken liebt Muster, Ordnung, Kategorien.
Aber kein Mensch passt je ganz in eine Schublade.
Zu lebendig. Zu widersprüchlich. Zu einzigartig.
Und das ist gut so.
Denn wir sind mehr als eine Rolle, eine Meinung, ein Beruf oder ein Lebensentwurf.
Wir sind im Wandel.
Im Werden.
Und viel zu viel, um festgeschrieben zu werden.
Vielleicht dürfen wir einander öfter so begegnen:
Offen. Neugierig. Ohne Schublade.
Einfach als Mensch.

0 Kommentare